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Unter Auflagen: Verfahren gegen Alemannia-Hools eingestellt

Aachen. Das Amtsgericht Aachen hat heute ein Verfahren gegen vier Fußballfans aus dem Umfeld der Hooligan- und Ultra-Szene, die im Dezember 2011 an Gewalttaten gegen die linksgerichteten „Aachen Ultras ´99“ (ACU) beteiligt gewesen sein sollen, unter Auflagen eingestellt. Der Vorfall war seinerzeit eine erste Eskalation gewesen im Aachener „Fan-Krieg“ (Lokalpresse). Die vier Männer müssen nun Geldbußen von 300, 500 oder 600 Euro an gemeinnützige Vereine zahlen.

„Der Feind im eigenen Fan-Lager“ titelte die Lokalpresse seinerzeit zu dem nun verhandelten Vorfall. Auf dem Tivoli hatte Ende des Jahres 2011 Alemannia Aachen gegen den FC Erzgebirge Aue gespielt. Kurz vor der Halbzeitpause hatten 20 bis 30 Vertreter der „Alemannia Supporters“, in deren Umfeld oder unter denen sich ein NPD-Kader und rechte Problemfans bewegen, den Block der ACU gestürmt. Es kam zu Handgreiflichkeiten, zwei Ordner wurden verletzt. Aus dem benachbarten Block der „Karlsbande Ultras“ (KBU) seien seinerzeit die „Kameraden“ angefeuert und die ACU als „Juden“, „Homos“ und „Zecken“ tituliert worden, teilten die ACU später mit. 

Einst waren die „Aachen Ultras“ die einzige Ultra-Gruppierung in Aachen. Im Jahr 2006 gerieten die ACU in die Kritik, weil sich in der Gruppe und deren Umfeld Neonazis und rechte Mitläufer bewegten. Infolge kritischer Medienberichte Anfang 2007 begannen die ACU umzudenken. Man verwies Rechte aus den eigenen Reihen. Auf ACU-Feten erklang statt rechtslastiger Musik nun HipHop oder Ska, teilweise traten auch lokale Bands dieser Genre auf. ACU-Mitglieder beteiligten sich an Antinazi-Aktionen und engagierten sich für einen menschenwürdigen Umgang mit Asylsuchenden und Flüchtlingen sowie gegen sexistische und homosexuellenfeindliche Sprüche im Stadion. 

Das führte zu Spannungen. Manchen ACU-Leuten ging das Engagement zu weit, zumal man sich als unpolitischen Fanclub ansah. Mitte 2010 verließen dann zahlreiche Ultras die ACU und gründeten eine neue Gruppe, die „Karlsbande“ respektive „Karlsbande Ultras“ (KBU). In der KBU und deren Umfeld wurden wieder Personen aktiv, die die ACU wegen ihrer rechten politischen Ansichten oder einer Nähe zum Hooliganismus ausgeschlossen hatten. Auf dem Tivoli führten die Reibereien dazu, dass KBU und ACU seit Ende 2011 in getrennten Blöcken standen. Wegen zahlreicher Angriffe zogen die ACU sich schließlich im Januar 2013 zurück, die KBU und Problemfans aus deren Umfeld sorgen bis heute für Negativ-Schlagzeilen. 

Angeklagt waren am Mittwoch wegen des „Blocksturmes“ vier Männer, von denen laut eines Polizeizeugen zwei den „Alemannia Supporters“ und zwei den KBU respektive dem näheren Umfeld der Gruppen zuzuordnen seien. Der Vorwurf hatte auf Landfriedensbruch und Nötigung gelautet, da einer der Angeklagten zudem einen Ordner geschubst oder festgehalten haben sollte. Nach Ansicht des Richters lag jedoch keine besonders schwere Schuld vor, die Angeklagten seien nicht vorbestraft und auch keine „Rädelsführer“ gewesen. Einige der Männer hatten auch ausgesagt, sie hätten nur schlichten wollen und seien so in die Auseinandersetzungen geraten. Ein Polizist sprach im Zeugenstand davon, es seien „nicht die klassischen Hooligans“, Auffälligkeiten als Problemfans lägen „viele, viele Jahre“ zurück oder lägen gar nicht vor. 

Offenbar sind in der Sache noch andere Verfahren anhängig, unter anderem gegen Vertreter der ACU und gegen Teile der damaligen Angreifer, denen etwa weitere Delikte vorgeworfen werden. (mik)