Termine

Keine aktuellen Veranstaltungen.

Friedensfest statt Neonazi-Aufmarsch

Stolberg (Städteregion Aachen). Keine Polizei-Absperrungen, keine Hubschrauber und Musik statt Gebrüll. An diesem Samstag, dem 5. April 2014, ist wenig los in Stolberg, jedenfalls im Vergleich zu den Vorjahren. Und das ist auch gut so. Die Stolberger BürgerInnen und ihre UnterstützerInnen haben "einen Tag, der uns ansonsten bedrückt hat, umfunktioniert zu einem Friedensfest", erklärt Bürgermeister Ferdi Gatzweiler.

Auf dem Kaiserplatz haben sich kurz vor 12 Uhr schon viele Leute versammelt; von Kindern bis Senioren sind alle Altersgruppen vertreten, aber vor allem die SchülerInnen der weiterführenden Schulen in Stolberg engagieren sich: Fünft- und SechstklässlerInnen haben Postkarten mit der Aufschrift "Vielfalt – ja, bitte" gebastelt, verteilen Kuchen und sammeln Spenden, die Big Band "Crack Field Stompers" des Ritzefeld-Gymnasiums und der Schulchor sorgen für Unterhaltung, außerdem hängen überall bunt bemalte Banner. Auf einem, in der Bühnenmitte, steht: "NPD? NEE!"

"Friedensfest" auf dem Kaiserplatz - Stolberg blieb am Wochenende von Neonazi-Aufmärschen verschont . Foto: Michael Klarmann

Beatrix Oprée vom Stolberger Bündnis gegen Radikalismus eröffnet das Friedensfest mit einer kurzen Rede. Der neonazistische Fackelmarsch in Aachen am 29. März habe gezeigt, dass die Rechtsextremen sich noch lange nicht damit abgefunden haben wie unerwünscht sie in Stolberg und Umgebung tatsächlich sind. Stolberg habe Unterstützung erfahren, so Oprée, und man werde im Gegenzug natürlich auch andere Städte unterstützen. Denn: "Von Stolberg geht der Wunsch nach Vielfalt in der Welt aus."

Mit Informationsständen vertreten sind unter anderem Amnesty International, das Jugendparlament Stolberg, die Jusos (SPD), die Junge Union (CDU), die Linke und die Grünen; am Rande des Platzes steht der Bus der Mobilen Jugendarbeit. Für das weitere Programm sorgen der Europäische Cultur Creis mit einem Gedichtvortrag, das Duo Dynamico mit südamerikanisch angehauchten Liedern, die Musikschule Merz und der Kulturverein City Starlights. SchülerInnen des Goethe-Gymnasiums stellen sich gruppenweise zusammen, um vor dem Rathaus das Wort "Vielfalt" zu bilden.

Im Rathaus findet eine Ausstellung der Gruppe Z (Zukunft ohne Fremdenhass, Faschismus und Krieg; gegen das Vergessen) statt, die sich insbesondere mit den Auswirkungen von Rassismus auf Flüchtlinge befasst. Was bei einem multikulturellen Friedensfest auf gar keinen Fall fehlen darf: Gutes Essen. Türkische Spezialitäten werden im Rathaus und später auch auf dem Kaiserplatz angeboten, weil das Wetter mitspielt.

Man kann sehen, dass Stolberg eine "schöne, bunte Stadt" ist, wie Bürgermeister Gatzweiler noch einmal betont. Selbst wenn die Ewiggestrigen wieder unerwünschte Aufmärsche planen würden, Gatzweiler macht deutlich: "Stolberg ist unsere Stadt."

Christiane Karl, stellvertretende Städteregionsrätin, bezeichnet die friedliche Stimmung in Stolberg als einen großen Erfolg, mahnt jedoch an, man müsse sich weiterhin gegen Fremdenfeindlichkeit, Intoleranz und Extremismus zur Wehr setzen. Das kritische Bewusstsein für Rechtsextremismus solle gestärkt werden, denn Ignoranz sei keine Lösung. Außerdem lobt die stellvertretende Städteregionsrätin ganz besonders das große Engagement der Stolberger SchülerInnen für ihre zahlreichen Aktionen gegen Rechts.

Der CDU-Bürgermeisterkandidat Dr. Tim Grüttemeier und Christiane Karl sind ich jedenfalls einig, dass nach den Kommunalwahlen am 25. Mai auch kein Rechtsextremer mehr im Stadtrat sitzen soll.

M.K. Kruecken