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Weitere 23 Stolpersteine erinnern an Aachener NS-Opfer

Aachen. In ‪Aachen‬ wurden am Mittwoch an zehn Stellen im Stadtgebiet insgesamt 23 neue Stolpersteine für Opfer des Naziterrors verlegt. Die kleinen Gedenksteine erinnern in den Bürgersteigen an die von den Nationalsozialisten verfolgten und im Holocaust ermordeten Menschen. Der Kölner Künstler Gunter Demnig hat dieses europaweite dezentrale Gedenk- und Kunstprojekt geschaffen.

Der Tag begann mit einem Empfang im Weißen Saal des Rathauses. Eigens angereist waren Angehörige der Naziopfer, beispielsweise aus den USA und Israel, darunter auch der gebürtige Aachener und Shoa-Überlebende Dan Philipp. Bürgermeister Norbert Plum mahnte während des Empfangs, die Nazigräuel dürften nicht vergessen werden. Stolpersteine machten deutlich, dass der menschenverachtende Massenmord seinen Anfang in der unmittelbaren Nachbarschaft nahm. Man dürfe nicht wegschauen, wenn Menschen wieder wegen ihrer Herkunft und Religion angefeindet würden.

Seit dem Jahr 2008 erinnern auch in Aachen Stolpersteine an Bürgerinnen und Bürger der Stadt, die im Dritten Reich deportiert und ermordet wurden oder zur Flucht aus Deutschland gezwungen waren. Die Stolpersteine sind kleine Quader mit Messingplatten, in die jeweils der Name, die Lebensdaten und das Schicksal einer Aachenerin oder eines Aacheners eingraviert sind. Die Steine werden stets vor dem letzten – frei gewählten – Wohnhaus in den Bürgersteig eingelassen.

Verlegt werden die Stolpersteine in Aachen auf Beschluss des Stadtrates, betreut wird das Projekt durch die Volkshochschule, Demnig nimmt die Verlegungen wie in zahlreichen anderen Orten Deutschlands und Europas selbst vor. Privatpersonen, Initiativen oder Schulklassen begleiten „ihren“ Stein, recherchieren beispielsweise die Lebensläufe der Opfer, knüpfen – falls möglich – Kontakte zu Angehörigen und tragen die Kosten für „ihren“ Gedenkstein. Zeitgleich zur Verlegung durch Deming halten sie zum Teil Mahnwachen und Gedenkfeiern ab.

In Aachen erinnern seit Mittwoch in Haaren sieben neue Stolpersteine an ermordete Mitglieder der Familien Levy und Hartog. Auf der Krefelder Straßen erinnert ein Stein an Wally Hirtz sowie vier Mitglieder der Familie Walbaum. In der Ottostraße wurde ein Stein zum Gedenken an Gustav Hartog verlegt, in der Brabantstraße erinnern vier Stolpersteine an die Familie Cahn. In der Roonstraße wurde ein Stein für Caroline Holländer ins Pflaster eingelassen, in der Bismarstraße ein solcher für Julius Berg. In der Stephanstraße erinnern drei Stolpersteine nun an Familie Weil, in der Straße An den Frauenbrüdern einer an Sibilla Levy.

Dan Philipp, der heute in Israel lebt, erinnerte mit bewegenden Worten an der Krefelder Straße (Nr. 16) an Gisela Walbaum und deren Familie. Er und Gisela kannten sich, weil sie gemeinsam die Jüdische Volksschule besuchten. Der Holocaust-Überlebende schilderte, teils selbst sehr bewegt, wie selbst sie als Kinder angesichts des drohenden Unheils damals Fluchtpläne schmiedeten und durch die Wälder ins benachbarte Ausland fliehen wollten. „Wir waren die Hasen, andere waren die Wölfe,“ umschrieb er den Naziterror. Bewegend erinnerte Philipp auch in der Brabantstraße an seinen Onkel und seine Tante, die die Shoa nicht überlebten. Begleitet wurde er bei seinem Besuch in Aachen durch ein Kamerateam des israelischen Fernsehens.

Seit Mittwoch erinnert einer der Stolpersteine in ‪‎Aachen‬ auch vor dem Haus der Studentenverbindung „Corps Palaeo-Teutonia“ an ein Opfer des Naziterrors. Einige Mitglieder der Verbindung wohnten der Verlegung spontan bei. Für Demnig eine seltene Erfahrung, stieß er doch bisher bei der Verlegung von Stolpersteinen vor Häusern von Studentenverbindungen und rechtslastigen Burschenschaften eher auf Ablehnung. (mik)

Fotos: Michael Klarmann