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Antisemitische Tiraden bei Neonazi-"Mahnwache"

Aachen/Düren.  Rund 35 Neonazis haben gestern in Düren eine antisemitisch geprägte Kundgebung abgehalten, um für den sogenannten „Nationalen Antikriegstag“ am kommenden Wochenende in Dortmund zu werben. Gerüchte, dass eine ähnliche Aktion auch in Aachen stattfinden sollte, bestätigten sich indes nicht.

Die Kundgebung auf dem Dürener Wirteltorplatz war Teil einer Bustour, die von Pulheim (Rhein-Erft-Kreis) über Düren ins Bergische Land und anschließend zu einer Demonstration in Wuppertal führte. Auch in Essen hat gestern eine Kundgebung von Neonazis stattgefunden, die von einem örtlichen NPD-Funktionär angemeldet worden war. Eine für den gestrigen Abend in Dortmund geplante „spontane“ Demonstration wurde hingegen von der Polizei verboten. Als Grund nannte die Behörde die bestehende Verbotsverfügung gegen die „Kameradschaft Aachener Land“ (KAL), „Kameradschaft Hamm“ und den „Nationalen Widerstand Dortmund“.

Rund 35 Neonazis hielten gestern in Düren eine rund einstündige Kundgebung ab. Foto: Michael Klarmann

In Düren nahmen gestern nur fünf Personen aus dem Großraum Aachen an der Kundgebung teil, darunter mindestens drei Mitglieder der seit Donnerstag verbotenen „Kameradschaft Aachener Land“ (KAL).

Als Moderator und Anmelder der Kundgebung in Düren fungierte der ehemalige KAL-„Kameradschaftsführer“ René Laube, der in Richtung Innenminister Jäger die Losung ausgab: „Trotz Verbot sind wir nicht tot!“ Als weitere Redner fungierten Neonazis aus Pulheim und Wuppertal. Bei der ersten Rede musste ein „Kamerad“ aus Köln, der erst kürzlich wegen Gewaltdelikten verurteilt wurde, einige „Kameraden“, vor allem aber „Kameradinnen“ zur Ruhe mahnen, da sie während des Redebeitrages feixten, lästerten und lachten.

Auch das ehemalige KAL-Mitglied André P. aus Aachen sprach zu den „Kameraden“ und behauptete, die Alliierten hätten Deutschland in den Zweiten Weltkrieg „getrieben“, insbesondere aber „das jüdische Volk“ habe damals Deutschland „den Krieg erklärt“, und zwar aus „Geldinteressen“. Begleitet wurde die Aktion von Protesten, teilweise waren die Reden der Neonazis wegen der „Nazis raus!“-Rufe und wegen des Trillerpfeifenlärms kaum hörbar.

Im Umfeld der Kundgebung bewegten sich mehrere Neonazis und rechtsaffine junge Leute im Sinne der „Anti-Antifa“-Tätigkeiten unter den Gegendemonstranten. Trotz der antisemitischen und antiamerikanischen Ausrichtung der Kundgebung sowie der geschichtsrevisionistischen, antijüdischen und nationalsozialistischen Aussagen P.s verzeichnete die Polizei laut Polizeibericht keine „strafrechtlich relevante Vorkommnisse." (mik/dc)