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Rechtslastige Band trat an deutsch-niederländischer Grenze auf

Aachen/Kerkrade. Das für den Raum Aachen angekündigte Konzert der rechtslastigen Musikgruppe „Kategorie C“ (KC) fand im niederländischen Kerkrade statt. Organisiert hatte das Treffen am Freitag, 16. November, die Aachener Hooligan-Gruppe „Westwall Aachen“.

Konnten KC bisher die für den Raum Aachen angekündigten Konzerte nur in Entfernungen von 30 bis 220 Kilometern im benachbarten Ausland abhalten, spielte die Musikgruppe nun im Klub „Black Onyx Saloon“ an der Nieuwstraat und damit ummittelbar an der deutsch-niederländischen Grenze. Die Nieuwstraat in Kerkrade und die Neustraße in Herzogenrath bilden den direkten Grenzverlauf zwischen beiden Ländern, die Häuser auf der einen Straßenseite (Nieuwstraat) liegen in den Niederlanden, die auf der anderen Straßenseite (Neustraße) in Deutschland. 

Da Konzerte der rechtslastigen Band „Kategorie C“ (KC), auch bekannt als „Hungrige Wölfe“, in Deutschland wegen der Kontakte der Musiker zur rechtsextremen Szene und der Gewalt verherrlichenden Texte schon oft verboten wurden, war der Auftritt im Grenzland konspirativ vorbereitet worden. Die Musikgruppe selbst hatte den Auftritt auf der „Jahresabschlussfeier“ der Hooligan-Gruppe „Westwall Aachen“ gar nicht selbst beworben. Unterdessen hat sie sich auf ihrer Homepage bei den Veranstaltern bedankt und bei Fans, die im Vorfeld nichts von dem Auftritt erfahren haben, quasi entschuldigt: „Wir konnten das Konzert nicht offiziell bewerben, sonst hätte es nicht stattfinden können.“ Der Eintritt soll am Freitagabend 15 Euro betragen haben. 

Während die Band selbst mitteilt, dass rund 400 Menschen ihr Konzert besucht haben, teilte die Polizei in Aachen mit, sie habe rund 200 Besucher gezählt. Polizeisprecher Werner Schneider sagte, diese seien „überwiegend dem rechten Spektrum zuzuordnen“ gewesen. Wegen der Gewalt verherrlichenden Lieder und früherer gemeinsamer Konzerte mit rechtsextremistischen Bands in der Neonazi- und Hooliganszene habe die Polizei im Schulterschluss mit allen Kommunen der Städteregion Aachen sowie der benachbarten Städte Heinsberg, Düren und Euskirchen rechtliche Möglichkeiten geprüft, das Konzert in der Region zu verbieten. Laut Schneider waren diesbezügliche Ordnungsverfügungen der deutschen Kommunen für ein Verbot der Veranstaltung vorbereitet worden. Auf das Konzert in den Niederlanden hatte das jedoch keine Auswirkungen. 

Die Polizei war am Freitagabend in Aachen und Herzogenrath mit einem großen Aufgebot im Einsatz, vor Ort waren ebenso Polizisten aus Belgien und den Niederlanden. Von Deutschland aus anreisende KC-Fans wurden teilweise an Kontrollstellen überprüft. Laut Polizei verlief die Veranstaltung ohne besondere Vorkommnisse. Die Band, benannt nach der polizeilichen Bezeichnung für gewaltbereite Fußball-Fans, umschreibt den Auftritt so: „Fans aus der Ultra, Fan- und Hooliganszene verbrachten friedlich und feuchtfröhlich einen schöenen musikalischen Abend.“ Dazu beigetragen haben dürfte jedoch auch ein Rundschreiben von „Westwall Aachen“ im Vorfeld der „Party“, wonach man an diesem Abend bei den Gästen „nicht zwischen Clubfarben, Hautfarben, politischen Meinungen oder Sonstigem“ unterscheide. „Politikscheiss“, „egal ob links oder rechts“, sowie „Fussballrivalitäten“ sollten am Freitagabend ruhen. Falls jemand das nicht akzeptieren könne, möge er nicht anreisen und sei ebenso unerwünscht wie die „Presse und sonstige Gutmenschen-Verbände“. 

Die Hooligan-Gruppe „Westwall Aachen“ ist seit geraumer Zeit aktiv. Ihr Namen erinnert an den Westwall, eine Verteidigungslinie im Westen Nazideutschlands, deren Bau Adolf Hitler angeordnet hatte. Der Namen der Hooligans soll aber „nur“ symbolisieren, dass die Gruppe bei den auf Waldlichtungen oder Wiesen ausgetragenen Schlägereien mit anderen Hooligan-Gruppen aus ganz Deutschland als unüberwindbar gilt. Solche „Matches“ zwischen Hooligan-Gruppen werden zuvor konspirativ abgesprochen, man tritt in gleichstarken Personengruppen gegeneinander an und prügelt sich so lange, bis der Gegner am Boden liegt oder aufgibt. Unter den Mitgliedern der Gruppe oder in deren Umfeld befinden sich zwar auch Migranten, teilweise aber auch Personen, die der Neonazi-Szene oder der unterdessen verbotenen Neonazi-Gruppe „Kameradschaft Aachener Land“ (KAL) angehört haben und weiter Kontakte zu „Kameraden“ pflegen. 

Schon im Januar 2010 hatten Fußballfans- und Hooligans der Vereine „Alemannia Aachen“ und „Roda JC Kerkrade“ eine größere Feier im „Black Onyx Saloon“ an der Nieuwstraat abgehalten. Auch diese war von Neonazis und Rechtsradikalen aus der Region besucht worden. Gegen das KC-Konzert am Freitag hatten rund 60 überwiegend junge Antifaschisten mit einem Protestzug durch die Aachener Innenstadt demonstriert. (mik)