Termine

Keine aktuellen Veranstaltungen.

FacebookTwitter

NRW rechtsaußen

Aufenthaltsverbote für Karlsbande Ultras

Aachen. Nachdem Personen aus einem Reisebus der „Karlsbande Ultras“ (KBU) am vergangenen Wochenende einen PKW mit Mitgliedern der „Aachen Ultras“ (ACU) angegriffen und schwer beschädigt haben, hat die Polizei gegen alle Insassen des Busses ein befristetes „Aufenthaltsbereichsverbot“ für das Umfeld des Tivolis ausgesprochen.

Der Vorfall hat sich am vergangenen Samstag auf einem Rastplatz der A8 bei Pforzheim nach einem Auswärtsspiel von Alemannia Aachen zugetragen. Der „Fan-Krieg“ (Lokalpresse) zwischen den in Teilen von Rechtsradikalen und Neonazis unterwanderten und beeinflussten KBU gegen die antirassistischen ACU dauert seit Monaten an. 

Erst Anfang November hatten verschiedene Fangruppen – darunter KBU und ACU – versucht, die Auseinandersetzungen zu schlichten und einen Verhaltenskodex unterzeichnet, nachdem man gegenseitig „Respekt und Toleranz“ anstrebe, man von “[p]olitische[m] Extremismus in jeglicher Form sowie Rassismus“ Abstand nehme und „[g]ewaltsame Auseinandersetzungen, Angriffe und Anfeindungen jeglicher Art unter uns Alemanniafans“ als „inakzeptabel“ ansehe. Besagten „Ehrenkodex“ hatte Alemannia Aachen am 5. November publiziert. Gehalten hat er jedoch nur wenige Tage – nämlich bis zur Heimfahrt vom Auswärtsspiel der Alemannia gegen die Zweite Mannschaft des VfB Stuttgart am 17. November. 

Am Samstag, kurz vor 17 Uhr, kam es auf jener Heimfahrt auf dem Rastplatz zu einem „weiteren Übergriff“ und „vorläufigen Höhepunkt eines länger andauernden Streites innerhalb zweier Fangruppierungen von Alemannia Aachen“, sagt Polizeisprecher Paul Kemen. Laut derzeitigem Ermittlungsstand traf dabei ein mit Mitgliedern der KBU besetzter Reisebus auf einen PKW mit Mitgliedern der ACU. Insgesamt saßen in dem Auto drei junge Männern und zwei Frauen, darunter soll auch ein Mitarbeiter des Aachener Fanprojektes gewesen sein. Nach Angaben von Zeugen stürmte sodann ein Großteil der Insassen des KBU-Busses auf den PKW zu. 

Der Fahrer, der laut Kemen „das Unheil erkannte“, habe vergeblich versucht abzufahren und zu flüchten. Die Angreifer hätten jedoch durch Tritte und Flaschenwürfe das Auto erheblich beschädigt und die Windschutzscheibe zerstört. Verletzt worden sei zwar niemand, am PKW sei jedoch erheblicher Sachschaden entstanden, teilte Kemen mit. Die Angegriffenen seien dann mit dem beschädigten Auto zur nächsten Polizeidienststelle gefahren und hätten dort den Sachverhalt erklärt. Um weitere Auseinandersetzungen zu unterbinden, sei „eine Begleitung des in den Niederlanden angemieteten Reisebusses durch insgesamt drei Bundesländer für erforderlich gehalten und organisiert“ worden durch die Polizei, so Kemen. Meint: der Bus wurde von Baden-Württemberg aus von einem Aufgebot der Ordnungshüter eskortiert. 

Kurz vor 23 Uhr nahm die Aachener Polizei den Bus dann am Rastplatz Aachener-Land in Empfang und leitete ihn bis zum Polizeipräsidium. In Bereitschaft gehaltene Polizisten stellten dann von allen 46 Businsassen die Personalien fest. Dabei waren laut Kemen zwölf Insassen den Behörden schon aus der „Datei Gewalttäter Sport“ her bekannt oder würden als gewalttätige Problemfans eingestuft. Gegen alle Insassen hat die Staatsanwaltschaft in Pforzheim ein Ermittlungsverfahren wegen Landfriedensbruch und Sachbeschädigung eingeleitet. Und die Aachener Beamten haben derweil gegen die 46 Personen ein befristetes „Aufenthaltsbereichsverbot“ ausgesprochen. Die überwiegend jungen Männern und Frauen dürfen bei den nächsten beiden Heimspielen nicht in die Nähe des Tivolis kommen oder das Stadion betreten. 

Sollten die Personen aus dem Aachener Raum, aus Heinsberg, Düren und dem Rhein-Erft-Kreis dagegen verstoßen, droht ihnen laut Polizeisprecher Kemen „ein Zwangsgeld, schlimmstenfalls sogar der zwangsweise Aufenthalt in einer Zelle.“ Die Anordnung gelte für die Heimspiele der Alemannia gegen den VfL Osnabrück und gegen Arminia Bielefeld. Ungeachtet des Ausgangs des Ermittlungsverfahrens, sagt Kemen, habe „das Aufenthaltsbereichsverbot das Ziel, Straftaten und Übergriffe auf Fans zu verhindern“ und solle generell „die Besucher von Fußballspielen schützen.“ Darüber hinaus lasse die Behörde prüfen, ob wegen der erforderlichen Polizeibegleitung Regressansprüche zu stellen seien. Zeugen des Vorfalls auf der Raststätte sollten sich bei der Polizei melden (0241 - 9577 11540). 

Der „Fan-Krieg“ (Lokalpresse) hat durchaus auch einen politischen Hintergrund. In der heterogenen Gruppe der rund 250 Mitglieder starken „Karlsbande Ultras“ befinden sich auch aktive oder ehemalige Neonazis und Rechtsradikale. Die weitaus kleinere Gruppe der antirassistischen und linken „Aachen Ultras“ wurde in der Vergangenheit mehrfach von KBU-Leuten oder Personen aus deren Umfeld angegriffen, als „Zecken“ beschimpft oder „Juden“ genannt (siehe LAP-Bericht). Dies hatte zu Diskussionen in der Fanszene und bei der Polizei, Stadtverwaltung sowie dem Fußball-Klub Alemannia Aachen geführt (siehe LAP-Bericht). Der Verein hatte später gegen die KBU ein Bannerverbot verhängt (siehe LAP-Bericht). 

Die KBU hatten teilweise dagegen mit weißen T-Shirts und hellen Bannern protestiert, auf denen nur das Wort „Unerwünscht!“ stand. Zudem hatten die KBU-Leute und deren Umfeld bei Heimspielen die ersten 13 Minuten und 12 Sekunden im Stadion schweigend zugebracht. Die Ziffern stehen im Alphabet für den ersten, dritten, ersten und zweiten Buchstaben: ACAB. Das steht wiederum für „All Cops are Bastards“ (Alle Bullen sind Schweine). Nachdem Alemannia Aachen immer mehr in die finanzielle Schieflage gerutscht war, hatte die KBU Ende Oktober beim Heimspiel gegen den SV Wehen Wiesbaden erstmals das Bannerverbot in größerem Umfang gebrochen und trotz Verbots KBU-Fahnen gezeigt. Die Polizei wollte das strafrechtlich anhand von Videoaufzeichnungen verfolgen. (mik)