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"Soli-Feier" rechtsoffener Hooligans

Herzogenrath/Aachen. Wenige Wochen nach einem Konzert mit der rechtslastigen Hooligan-Band „Kategorie C“ (KC) aus Bremen hat die Hooligan-Gruppe „Westwall Aachen“ abermals ein Konzert veranstaltet. Traten KC kürzlich auf Einladung der Aachener Hooligans unmittelbar an der deutsch-niederländischen Grenze in Kerkrade auf, fand das Konzert nun in Herzogenrath-Kohlscheid statt. Mit Coversongs der „Böhsen Onkelz“ trat dabei am Freitagabend die relativ unbekannte Musikgruppe „Hausverbot“ aus Rheinland-Pfalz vor rund 60 Besuchern aus der Hooligan-, Fußball- und Neonazi-Szene auf. „Hausverbot“ spielte schon als Vorband von KC.

Beworben worden war das Konzert in mindestens einem Fall auch über eine Neonazi-Homepage aus Berlin, zudem verbreiteten Hooligans, Fußballfans und Neonazis aus der Region die Werbung über Soziale Netzwerke im Internet. Angekündigt wurde die Veranstaltung dabei als „Soli-Feier“, der Erlös des Konzertes sollte einem Verein in Aachen zugute kommen, der sich um das Wohl krebskranker Kinder kümmert. Nachdem antifaschistisch organisierte Fußball-Fans den gemeinnützigen Verein über die Werbung informiert hatten, distanzierte sich dieser davon. Daraufhin warb „Westwall“ für das Konzert nur noch mit einem Flyer, auf dem darauf hingewiesen wurde, dass der Erlös für einen „wohltätigen“ Zweck gespendet werde. 

Offiziell angekündigt worden war die Band „Hausverbot“ namentlich nicht, lediglich von einer „Onkelz Cover Band“ war auf dem Flyer die Rede. Genannt wurden jedoch Zeit und Datum des Konzertes sowie der Veranstaltungsort, nämlich „Lämmi’s Sportsbar“ in Herzogenrath-Kohlscheid, benannt nach und mitbetrieben durch den ehemaligen Alemannia Aachen-Spieler Stephan Lämmermann. In einer ersten Ankündigung des Konzertes war darauf hingewiesen worden, dass der Erlös nicht nur an eine soziale Initiative gespendet werden sollen, sondern „ein (kleinerer) Teil [...] in eine Solikasse fliessen [wird,] die künftig dazu dienen wird Leuten aus der Aachener oder Kerkrader Fanszene zu helfen, wenn sie Probleme mit Polizei und/oder Justiz haben.“ 

Die Hooligan-Gruppe „Westwall Aachen“ ist seit geraumer Zeit aktiv. Ihr Namen erinnert an den Westwall, die Verteidigungslinie im Westen Nazideutschlands, deren Bau Adolf Hitler angeordnet hatte. Der Namen der Hooligans soll aber „nur“ symbolisieren, dass die Gruppe bei den auf Waldlichtungen oder Wiesen ausgetragenen Schlägereien mit anderen Hooligan-Gruppen aus ganz Deutschland als unüberwindbar gilt. „Westwall Aachen“ ist zwar nicht Teil der rechtsextremen Szene. Unter den Mitgliedern der Gruppe oder in deren Umfeld befinden sich auch Migranten, teilweise aber eben auch Personen, die der Neonazi-Szene oder der unterdessen verbotenen Neonazi-Gruppe „Kameradschaft Aachener Land“ (KAL) angehört haben und weiter Kontakte zu „Kameraden“ pflegen. Überdies bestehen enge Kontakte zwischen „Westwall Aachen“ und den teilweise rechtslastigen „Karlsbande Ultras“ (KBU). Personen aus diesem Umfeld waren auch an Übergriffen auf Antifaschisten und die antifaschistischen „Aachen Ultras“ (ACU) beteiligt. 

Laut Polizei verlief das Konzert am Freitagabend „störungsfrei“. Die Vorwürfe von „Westwall Aachen“, dass die Polizei im Vorfeld die Betreiber der „Sportsbar“ dazu gedrängt haben soll, das Treffen abzusagen, kommentierte die Behörde nicht. Via Internet bezeichneten Aachener Hooligans und Fußballfans jedenfalls die Polizei wegen der Vorwürfe als „Schweine“ und „Drecks bullenschweine“. (mik)