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NRW rechtsaußen

Volksverhetzung: Staatsanwaltschaft ermittelt gegen "Karlsbande Ultras"

Aachen. Die Staatsanwaltschaft Aachen ermittelt aufgrund einer Strafanzeige des Fußballclubs Alemannia Aachen wegen Volksverhetzung gegen Verantwortliche des Fanzines der „Karlsbande Ultras“ (KBU). Hintergrund ist die Wiedergabe von alten Textbeiträgen in der „Banderole“, in denen der Fußballclub Preußen Münster als „Judenclub“ bezeichnet wird. Die KBU hatte das Schriftstück bei dem Heimspiel gegen den SV Babelsberg 03 Anfang März im Umfeld des Tivolis verbreitet. 

Das ebenso als PDF-Datei auf der Homepage der KBU verbreitete Fanzine wurde unterdessen abgeändert. Nach Diskussionen in der Fanszene über den Text, der ursprünglich in einem Blättchen der Hooligan-Szene publiziert worden war, ersetzten die Verantwortlichen zuerst das Wort „Judenclub“ durch „Club“. Nachdem Fans zudem aufgefallen war, dass in dem Text auch zu lesen war, dass die Fans des Münsteraner Vereins als „Söhne von I.B.“ bezeichnet wurden, wurde auch diese Passage später in der elektronischen Fassung abgeändert. Mit dem Kürzel „I.B.“ war offenkundig der ehemalige Vorsitzende des Zentralrates der Juden in Deutschland, Ignatz Bubis, gemeint. 

Die wiedergegebenen Texte stammen im Original aus der Hooliganszene von Alemannia Aachen, die KBU umschrieb sie als „historische Spielberichte aus alten Aachener Fanzines“. Abgebildet ist zu einem dieser Beiträge unter anderem auch ein Keltenkreuz, welches in der rechtsextremen Szene als Zeichen für die Vorherrschaft der „Weißen Rasse“ und die „White-Power“-Bewegung steht. In Deutschland nutzten Neonazis das Symbol lange als Ersatz für das verbotene Hakenkreuz. Unterdessen ist auch die Nutzung des Keltenkreuzes strafbar, wenn dies erkennbar im Zusammenhang mit rechtsextremer Propaganda oder rechtsextremen Aktionen geschieht.  

Die Wiedergabe der Texte war eine Art von Vorspiel zu der Begegnung zwischen Alemannia Aachen und Preußen Münster im März. Bei dem Spiel in Münster kam es zu Ausschreitungen und Auffälligkeiten durch Aachener Fans, unter anderem aus dem KBU-Lager. Die KBU ist eine sich als „unpolitisch“ verstehende, heterogene Ultra-Gruppe. Personen der Gruppe oder Problemfans aus deren engem Umfeld sind in der Vergangenheit jedoch wiederholt durch rechtsextreme Aktionen oder Angriffe auf Antifaschisten und Mitglieder der linksgerichteten Aachen Ultras (ACU) aufgefallen. (mik)